Offener Brief von KOMKAR – Verband der Vereine aus Kurdistan in Deutschland e.V.Anlässlich des Besuchs des Bundeskanzlers Friedrich Merz in der Türkei
Offener Brief von KOMKAR – Verband der Vereine aus Kurdistan in Deutschland e.V.Anlässlich des Besuchs des Bundeskanzlers Friedrich Merz in der Türkei
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz,
sehr geehrte Damen und Herren der Bundesregierung,
anlässlich Ihres Besuchs in der Republik Türkei möchten wir als KOMKAR – Verband der Vereine aus Kurdistan in Deutschland e.V. unsere Erwartungen und Hoffnungen im Hinblick auf die Behandlung der kurdischen Frage zum Ausdruck bringen.
Seit Jahrzehnten prägt der ungelöste Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bevölkerung das politische und gesellschaftliche Leben in der Türkei. Millionen Kurdinnen und Kurden sind weiterhin von grundlegenden Rechten ausgeschlossen. Auch wenn der bewaffnete Konflikt in den letzten Jahren weitgehend zum Stillstand gekommen ist, besteht die politische und kulturelle Unterdrückung fort.
Wir appellieren an Sie, Herr Bundeskanzler, im Rahmen Ihrer Gespräche mit den türkischen Verantwortlichen auf eine friedliche, demokratische und gerechte Lösung der kurdischen Frage zu drängen.
Die Zeit ist gekommen, die kurdische Frage nicht länger als Sicherheitsproblem, sondern als Frage der Menschen- und Kollektivrechte zu behandeln.
Konkret fordern wir:
- Die Anerkennung der Kurdinnen und Kurden als eigenständiges Volk mit gleichen politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Rechten.
- Die offizielle Anerkennung der kurdischen Sprache in Bildung, Verwaltung und öffentlichem Leben.
- Die Wiederherstellung der ursprünglichen kurdischen Ortsnamen, die im Zuge der staatlichen Türkisierungspolitik geändert wurden, als Ausdruck von Respekt gegenüber der Geschichte und Identität der Region.
- Ein Ende aller repressiven Maßnahmen gegen politische Vertreterinnen und Vertreter, Journalistinnen, Kulturschaffende und Aktivisten, die sich gewaltfrei für die Rechte des kurdischen Volkes einsetzen.
Ein dauerhafter Frieden und eine demokratische Zukunft der Türkei sind nur möglich, wenn die Rechte der Kurdinnen und Kurden als integraler Bestandteil des Landes anerkannt werden.
Wir hoffen, dass Sie, Herr Bundeskanzler, die Gelegenheit Ihres Besuchs nutzen, um diese Haltung im Sinne von Menschenrechten, Gerechtigkeit und europäischer Verantwortung deutlich zu machen.
Mit freundlichen Grüßen
Geschäftsführender Bundesvorstand
KOMKAR – Verband der Vereine aus Kurdistan in Deutschland e.V. Olpener str 143, 51103 Köln
Köln, den 29.10.2025